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Infrastruktur

Die Realität im Schulnetz

Bevor Sie ein Werkzeug für den Unterricht beurteilen, sollten Sie wissen, was Ihr Schulhaus ihm bereits stillschweigend zusagt. Die Auswertung des spanischen Pilotversuchs benennt ungewöhnlich offen, was nicht funktionierte und wer dafür verantwortlich gemacht wurde.

Eine kräftige waagerechte Linie, in der Mitte von einem gezackten Riss unterbrochen, beiderseits verstreute kleine Rechtecke.

Schuld hatte die App, nicht das WLAN

Der praktisch wertvollste Befund aus der veröffentlichten Auswertung desspanischen Pilotversuchs hat mit Programmieren nichts zu tun. Die Autorinnen und Autoren berichten, dass die unzureichende Anbindung Verbindungsabbrüche verursachte und dass die Schülerinnen und Schüler diese Abbrüche als Fehler der App Create@School selbst wahrnahmen, nicht als äußeren Umstand. Genau das habe dazu geführt, dass die Anwendung als unberechenbar und widerspenstig charakterisiert wurde.

Aus dem Lehrerzimmer gelesen ist das eine Warnung, die für jedes Werkzeug gilt, das Sie je erproben werden. Eine Klasse von Dreizehnjährigen führt kein Traceroute aus. Sie sieht etwas, das aufgehört hat zu funktionieren, und dieses Etwas hat einen Namen und ein Symbol auf dem Startbildschirm. Das Netz hat beides nicht. Also trägt die Anwendung den gesamten Ansehensverlust für eine Abhängigkeitskette, die ihr gar nicht gehört, und zwar genau in den Wochen, in denen Sie entscheiden, ob Sie dabei bleiben.

Damit dreht sich die sinnvolle Frage um. Sie lautet nicht „taugt dieses Werkzeug etwas“, sondern „was muss in diesem Haus zutreffen, damit ein solches Werkzeug eine Unterrichtsstunde übersteht“.

Was in Spanien tatsächlich scheiterte

Die Auswertung benennt ihre Probleme unverblümt, was in dieser Literatur seltener vorkommt, als es sollte. Das WLAN in den Klassenräumen war schlecht. Aus den Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen der Schulen ergaben sich Anmeldeprobleme, die freies Surfen im Schulnetz verhinderten. Die Kinder konnten während des Unterrichts weder frei navigieren noch Bilder holen, und die Anwendung wurde deshalb, so die Autorinnen und Autoren, zurückhaltender bewertet. Die schulische Infrastruktur war nicht auf so viele gleichzeitig verbundene Geräte ausgelegt: zusammenbrechende Netze und langsame Verbindungen senkten die Nutzungserfahrung. Das Betriebssystem der Geräte erfüllte einige Anforderungen der Schulen nicht. Es fehlten eine Anwendung zur Kindersicherung und einstellbare Optionen für die Verwaltung des Gerätekontos. Und das Project Management Dashboard war nicht mit dem Schulverwaltungssystem kompatibel, Projektnoten ließen sich also nicht automatisch übertragen. Die Autorinnen und Autoren halten am Ende dieser Liste fest, dass diese Mängel zeitraubend waren und dass ihre Vermeidung die Bewertungsergebnisse beider Werkzeuge hätte verbessern können.

Bemerkenswert ist, was auf dieser Liste fehlt: Abstürze, eine unverständliche Blocksprache, überfordernde Vorlagen. Das waren nicht die berichteten Hindernisse. Vier der fünf Dinge, die im Weg standen, gehörten zur IT-Ausstattung der Schulen und nicht zur geprüften Software.

Vier Fragen, die vor der ersten Stunde geklärt sein sollten

Jede Schule, die über ein geräteabhängiges Werkzeug nachdenkt, erbt dieselbe Abhängigkeitskette. Sie ist kurz genug, um sie an einem Nachmittag durchzugehen.

Trägt der Raum eine ganze Klasse gleichzeitig?

Nicht der Durchschnitt des Gebäudes, und nicht ein einzelnes Tablet in einer Freistunde. Fünfundzwanzig Geräte, in dem Raum, in dem Sie später wirklich unterrichten, zu der Tageszeit, zu der Sie später wirklich unterrichten. Das ist der Punkt, den die spanische Auswertung am deutlichsten benennt, und zugleich derjenige, der am häufigsten unter den falschen Bedingungen getestet wird.

Bricht die Sicherheitsrichtlinie das Werkzeug unbemerkt?

Der spanische Versuch scheiterte nicht an einer Firewall, die die App rundheraus blockierte. Er scheiterte an einer Richtlinie, die die App laufen ließ und den Kindern anschließend den Zugriff auf die Bilder verwehrte, die sie darin brauchten. Lassen Sie sich von der Netzbetreuung die tatsächlichen Filterregeln geben und gleichen Sie sie mit den Adressen ab, die das Werkzeug wirklich aufruft. Etwas, das halb funktioniert, ist im Unterricht schwerer zu handhaben als etwas, das gar nicht erst startet, weil die Stunde bereits läuft, wenn Sie es merken.

Erfüllt die Geräteverwaltung Ihre eigenen Vorgaben?

Den Pilotschulen fehlten am Betriebssystem eine Kindersicherung und verwaltbare Gerätekonten. Das ist keine technische Frage, sondern eine des Jugendschutzes und der Aufsichtspflicht. Wer das am Ende verantwortet, sollte ein Gerät in der Hand gehabt haben, bevor dreißig davon bestellt werden.

Gibt es einen Weg in das System, in dem die Noten schon stehen?

Dieses Detail würden wir jeder Schulleitung vorlegen. Das Dashboard war die am besten aufgenommene Komponente der ganzen Studie, von den Lehrkräften als gewünschtes Produkt bewertet, und es verlor trotzdem Punkte, weil Noten von Hand übertragen werden mussten. Die Auswertung schreibt ausdrücklich, dass die fehlende Anbindung die Attraktivität der Anwendung minderte. Wenn schon das Stärkste im ganzen Versuch an einer Exportfunktion Federn lässt, sollten Sie damit rechnen, dass es Ihnen ebenso geht. Wie die einzelnen Bestandteile abschnitten, steht unterwie es bewertet wurde.

Was die Auswertung nicht sagt

Alles bisher Genannte stützt sich auf die veröffentlichte Studie. Was jetzt folgt, ist unsere eigene Einschätzung, und wir kennzeichnen sie lieber, als sie unterzuschieben.

Die Auswertung hält fest, dass die Verbindung ausfiel. Sie beschreibt nicht, was ein solcher Ausfall mit einer Unterrichtsstunde macht. Aus der Praxis: In Minute zwölf fallen acht von fünfundzwanzig Geräten heraus. Drei Kinder sagen es gleichzeitig, vier werden still, und eines hat seine Arbeit verloren. Ein Netz lässt sich nicht vom Lehrerpult aus reparieren, und wer es könnte, steht nicht im Stundenplan dieses Raums. Die praktischen Fragen sind deshalb genau die, bis zu denen die Studie nicht vordringt. Wer soll ein Gerät mitten in der Stunde wieder zum Laufen bringen, und an wen geben Sie ab, wenn Sie es nicht selbst sind? Was tun die acht Kinder in der verbleibenden halben Stunde, das für sich genommen sinnvoll ist und nicht darin besteht, jemandem über die Schulter zu sehen? Und hängt an dieser Stunde eine Bewertung, deren Grundlage nur auf einem Gerät liegt, das gerade ausgefallen ist?

Unsere Antwort, ausdrücklich als Erfahrungswissen und nicht als Befund: Eine Stunde, die auf einem Netz aufbaut, braucht eine Fassung ihrer selbst, die ohne Netz läuft. Partnerarbeit, damit ein ausgefallenes Gerät eine halbe Gruppe kostet und nicht ein ganzes Kind. Ein Arbeitsschritt auf Papier oder offline, der echter Teil der Aufgabe ist und nicht Beschäftigung. Und ein Speicherpunkt, der früh genug liegt, dass Minute zwölf nicht teuer wird. Nichts davon steht in der Studie. Es ist das, was wir vorbereitet haben wollten, bevor wir dieselbe Stunde halten.

Das ist kein Problem von 2017

Es wäre bequem, das unter alter Hardware abzulegen und weiterzugehen. Die andalusischen Schulen arbeiteten mit Android-Tablets von 7 Zoll in Räumen, die für deutlich weniger Verkehr ausgelegt waren, als eine Schule heute erzeugt. Die Abhängigkeitskette hat ihre Form aber nicht verändert, und cloudbasierte Werkzeuge haben sie eher verlängert als verkürzt. Bandbreite für eine Klasse, die sich gleichzeitig verbindet. Eine Sicherheitsrichtlinie, die das Werkzeug nicht unbemerkt zerlegt. Eine Geräteverwaltung, die den eigenen Vorgaben der Schule genügt. Und ein Datenweg in das System, in dem die Noten ohnehin schon liegen. An allen vier Punkten wird ein Werkzeug gemessen, unabhängig davon, ob es auch nur einen davon kontrolliert.

Die praktische Folge ist klein. Wer Ihr Netz betreut, sollte beim Beschaffungsgespräch mit am Tisch sitzen und nicht hinterher davon erfahren. Was sonst noch zu prüfen ist, bevor ein Werkzeug einen Stundenplatz bekommt, sammeln wir imUnterrichts-Hub.

Quelle. Die Befunde zum spanischen Pilotversuch auf dieser Seite stammen aus der veröffentlichten Auswertung. Sie berichtet ausschließlich über den spanischen Standort: Für den britischen und den österreichischen Pilotversuch waren eigene Studien geplant, wir haben sie nicht gefunden. Wer sich für das Grazer Ende des Projekts interessiert, findet dort also keine belastbaren Zahlen. Gemessen wurden außerdem Akzeptanz und Nutzungserleben, nicht Lernergebnisse.

Gaeta, E.; Beltrán-Jaunsaras, M. E.; Cea, G.; Spieler, B.; Burton, A.; García-Betances, R. I.; Cabrera-Umpiérrez, M. F.; Brown, D.; Boulton, H.; Arredondo Waldmeyer, M. T. „Evaluation of the Create@School Game-Based Learning–Teaching Approach.“ Sensors 2019, 19(15), 3251.doi:10.3390/s19153251. Open Access unter CC BY 4.0, freier Volltext beiEurope PMC PMC6695907.