Werkzeugtest
Scratch: öffentlich, sobald geteilt wird
Der zweite Eintrag nach unserer Methode. Scratch ist kostenlos, der Quelltext des Editors steht unter Copyleft, es läuft tatsächlich offline, und ein Projekt wird für alle sichtbar, sobald ein Kind einen einzigen Knopf drückt. Vier getrennte Antworten, die wir bewusst nicht zu einer Note verrechnen.

Scratch ist eine blockbasierte Programmierumgebung, in der im Browser Spiele, Animationen und interaktive Geschichten entstehen. Entwickelt wurde sie 2007 am MIT Media Lab von einem Team unter der Leitung von Professor Mitchel Resnick. 2019 ging Scratch vom MIT an die Scratch Foundation über, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die die Plattform heute weiterentwickelt und moderiert. Die aktuelle Generation ist Scratch 3.0.
Der Werkzeug-Hub misst jeden Eintrag an denselben sechs Kriterien und weigert sich, daraus eine Punktzahl zu machen. Scratch zeigt, warum das keine Ausrede ist: hervorragend bei Kosten und Sprachen, unbequem bei der Steuerbarkeit im Unterricht, und bei der Lizenz wirklich ungewöhnlich. Eine einzige Zahl würde alle drei Befunde verdecken.
- Alter Gedacht für 8 bis 16 Jahre; ScratchJr deckt 5 bis 7 Jahre ab
- Kosten Kostenlos, keine Bezahlstufe, gemeinnütziger Träger
- Lizenz Editor-Quelltext AGPLv3; scratch-blocks Apache 2.0; Name und Logo nicht mitlizenziert
- Offline Scratch-App für Windows 10+, macOS 10.13+, ChromeOS, Android-Tablets ab 6.0. Kein Linux
- Kinderdaten Zum Arbeiten kein Konto nötig; Schülerkonten ohne Schüler-Mailadresse; Google Analytics auf der Website
- Sprachen 74 Oberflächensprachen einschließlich Deutsch; Community-Inhalte unübersetzt
Wofür man ein Konto wirklich braucht
Davon hängt ab, ob Sie Scratch überhaupt mit einer Klasse einsetzen können, deshalb steht es hier zuerst. Der Browser-Editor öffnet sich und läuft, ohne dass jemand angemeldet ist: In den häufigen Fragen zum Download schreibt Scratch, man könne den Projekteditor „in den meisten Webbrowsern auf den meisten Geräten“ verwenden. Für die andere Seite ist die Datenschutzerklärung ebenso deutlich: Ein Konto brauchen Sie, um Projekte zu teilen, Studios anzulegen oder Kommentare zu schreiben. Im veröffentlichten Quelltext des Editors liegen die Menüpunkte zum Speichern auf dem eigenen Rechner und zum Laden von dort außerhalb der Anmeldeprüfung, „Jetzt speichern“ dagegen innerhalb. Eine Klasse mit 25 Kindern kann also eine ganze Unterrichtsstunde lang programmieren, ganz ohne Konten, solange die Projektdateien im Menü „Datei“ auf dem Gerät gesichert und in der Folgestunde wieder geladen werden. Für den Schulalltag ist das der wichtigste Satz auf dieser Seite.
Die Lizenz sind zwei Lizenzen
In den Nutzungsbedingungen steht, der Quelltext des Scratch- und des ScratchJr-Editors stehe zum Download bereit und unterliege der GNU Affero General Public License Version 3. Die Repositorien bestätigen das: scratch-editor, scratch-desktop, scratch-www und scratch-l10n stehen unter AGPL-3.0, scratch-blocks dagegen unter Apache-2.0. Die Lizenzdatei wurde mit einem Commit vom 26. September 2024 umgestellt, überschrieben mit „docs: switch to AGPLv3“. Das ist kein Detail für Juristinnen und Juristen: Vieles, was über Scratch geschrieben wurde, stammt aus der Zeit davor und nennt eine andere Lizenz. Wenn Ihre Schule eine Lizenzangabe für die Medienkonzeption braucht, prüfen Sie das Datum der Quelle.
Der Name ist eine getrennte Frage, und die Bedingungen sagen das ausdrücklich: Die AGPLv3 gilt nicht für die Marken und Materialien des Scratch-Teams. Die Scratch-Katze, das Logo und der Name ScratchJr dürfen nur für persönliche, bildungsbezogene und nichtkommerzielle Zwecke verwendet werden, und zwar in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nutzung des Dienstes. Für eine Schule ist das unproblematisch. Für ein kostenpflichtiges Ferien-Programmiercamp, das „Scratch“ auf den Flyer schreiben möchte, ist es das nicht.
Offline funktioniert, mit Lücken, die Scratch selbst benennt
Die Downloadseite nennt als Voraussetzungen für die Scratch-App Windows 10+, macOS 10.13+, ChromeOS und Android ab 6.0. Dieselbe Seite hält fest, dass die App unter Linux nicht unterstützt wird und dass die aktuelle Android-Fassung nur auf Tablets läuft, nicht auf Smartphones. Aus der App heraus lässt sich nichts in die Online-Community teilen: Sie exportieren das Projekt und laden es auf der Website hoch. Hardware-Erweiterungen funktionieren in der App ohne Scratch Link, Scratch Link selbst braucht aber eine Internetverbindung. Auf verwalteten Geräten sind Aktualisierungen Sache der Administration, nicht der Klasse.
Kinderdaten, und was „geteilt“ bedeutet
Die Datenschutzerklärung mit Stand 27. März 2026 nennt für die Registrierung Benutzername, Passwort, Land, Geschlecht und E-Mail-Adresse und hält fest, dass andere Nutzerinnen und Nutzer nur Benutzername und Land sehen. Die häufigen Fragen für Lehrkräfte ergänzen Geburtsmonat und Geburtsjahr. Die Registrierung kennt außerdem einen Weg über die Einwilligung der Eltern, auf dem Bildschirm begründet mit den Kinderschutz- und Datenschutzgesetzen der jeweiligen Region; welche Länder diesen Weg auslösen, haben wir nicht geprüft. Auf der Elternseite steht, Scratch verkaufe oder vermiete Kontodaten an niemanden. Die Cookie-Richtlinie führt notwendige, funktionale und Leistungs-Cookies auf, eine Kategorie für Werbung fehlt. Die Leistungs-Cookies sind allerdings Google Analytics, und auf den von uns abgerufenen Seiten lädt der Google Tag Manager mit. Ein kostenloses Werkzeug einer gemeinnützigen Organisation, das trotzdem Analysedienste einbindet: Das sollten Sie wissen, bevor die Datenschutzbeauftragte Ihrer Schule darauf stößt.
Beim Veröffentlichen liegen Eltern in beide Richtungen falsch. Ein Projekt bleibt privat, bis das Kind auf „Veröffentlichen“ drückt. Der Editor sagt es in der deutschen Oberfläche selbst: Ein nicht öffentliches Projekt kann nur das Kind sehen, und ein Klick sorgt dafür, „damit es alle sehen können“. Alle heißt danach wirklich alle, und die Community-Regeln ergänzen, dass veröffentlichte Arbeit von allen anderen weiterverwendet und umgebaut werden darf. Wird ein Konto gelöscht, verschwinden die persönlichen Daten aus der öffentlichen Ansicht, laut Erklärung aber nicht vollständig von den Servern.
25 Kinder in einem Schulnetz
Weil Scratch zuerst ein Browser-Werkzeug ist, erbt es die gesamte Abhängigkeitskette, die wir inder Realität im Schulnetz beschrieben haben: Bandbreite für eine Klasse, die sich gleichzeitig verbindet, eine Filterregel, die den Editor zwar laden lässt, aber blockiert, was er nachlädt, eine Geräteverwaltung, und ein Weg in das System, in dem die Noten ohnehin schon liegen. Den letzten Punkt bestätigt Scratch selbst: In den häufigen Fragen für Lehrkräfte steht, dass Scratch sich mit keinem Klassenverwaltungsdienst verbindet, ausdrücklich auch nicht mit Google Classroom oder Clever. Genau an diesem Punkt verlor das Lehrkräfte-Dashboard im spanischen Pilotversuch Punkte, ein Jahrzehnt früher und in einem ganz anderen Werkzeug.
Drei weitere Grenzen gehören in das Gespräch, bevor Scratch einen Stundenplatz bekommt. Ein Lehrkräftekonto wird über ein Formular beantragt, die abgefragten Angaben dienen laut Scratch dazu zu prüfen, ob es sich wirklich um eine Lehrkraft handelt: Rechnen Sie also mit Wartezeit statt mit einer Anmeldung am selben Tag. Eine Klasse fasst höchstens 150 Konten. Und eine Klasse lässt sich nicht privat stellen: Alles, was innerhalb Ihrer Klasse geteilt wird, ist für die gesamte Scratch-Community zugänglich. Auch die Kommentarfunktion lässt sich für eine Klasse nicht abschalten, und der von Scratch selbst vorgeschlagene Ausweg ist die Offline-App, in der es keine Community gibt. Das ist unsere Einschätzung, nicht ihre Dokumentation: Wenn Ihr größtes Risiko das Netz ist, arbeiten Sie das erste Halbjahr mit der App.
Für Eltern
Die Zeit Ihres Kindes ist es wert, gemessen daran, was Scratch ist und nicht, was es verspricht: kostenlos, ohne Verkaufsdruck, mit einer gemeinnützigen Organisation dahinter und mit einer Blocksprache, die sich auf andere Werkzeuge übertragen lässt. Den umgekehrten Fall beschreiben wir in unserem Catrobat-Test: Scratch ist um einen Arbeitsablauf am Rechner herum gebaut. Wenn der einzige Bildschirm in Ihrem Haushalt ein Handy ist, ist Pocket Code die bessere Wahl.
Bei der öffentlichen Seite sollten Sie sich nichts vormachen. Das ist eine öffentliche Internet-Community, und die Foundation schreibt auf ihrer eigenen Seite, dass Kinder dort mehr als eine Milliarde Projekte erstellt haben. Die Moderation ist echt und nicht dekorativ: ein Meldeknopf, ein zuständiges Team, ein Filter für Schimpfwörter und Regeln, die Kindern sagen, dass Nachnamen, Adressen und Schulnamen dort nichts zu suchen haben. Beurteilen Sie es wie jedes andere öffentliche Forum, in dem Ihr Kind schreibt. Wenn Sie so weit noch nicht sind, bekommen Sie mit der App das Gestalten ohne das Publikum.
Wo das an die Geschichte dieser Domain rührt
Die veröffentlichte Auswertung von Create@School, der im Projekt No One Left Behind gebauten Schulfassung, beschreibt Pocket Code als von Scratch am MIT inspiriert. Die beiden sind also eher Geschwister als Konkurrenten: dasselbe Zusammenstecken beschrifteter Blöcke, ein anderes Gerät darunter. Pocket Code brachte die Umgebung in die Hand des Kindes, Scratch behielt sie im Browser und baute eine Community darum herum. Begriffe erklären wir im Glossar.
Was wir nicht geprüft haben
Wir haben Scratch nicht mit einer Klasse eingesetzt. Keine Usability-Tests, keine Zeitmessungen, kein Sicherheitsaudit und keine Messung, wie sich der Editor verhält, wenn 25 Geräte an einem Accesspoint hängen. Dieser Eintrag stützt sich auf die eigene Dokumentation von Scratch, auf Nutzungsbedingungen, Datenschutz- und Cookie-Richtlinie, auf die öffentlichen Repositorien und auf einen belegten Satz aus der Create@School-Auswertung, nicht auf einen eigenen Unterrichtsversuch. Ebenso wenig haben wir die Übersetzungsqualität der 74 Sprachen geprüft. Wo ein Satz oben unsere fachliche Einschätzung wiedergibt und nicht die Dokumentation, steht das dabei.
Quellen. Im Juli 2026 geprüft anhand der Seiten der Scratch Foundation selbst: derDownloadseite der Scratch-App, der Elternseite, derhäufigen Fragen zum Lehrkräftekonto, derCommunity-Regeln, derNutzungsbedingungen, derDatenschutzerklärung, derCookie-Richtlinie und derGitHub-Organisation der Scratch Foundation.
Dass Pocket Code von Scratch am MIT inspiriert ist, stammt aus der veröffentlichten Auswertung des spanischen Pilotversuchs. Diese Studie berichtet ausschließlich über den spanischen Standort, und sie misst Akzeptanz und Nutzungserleben, nicht Lernergebnisse.
Gaeta, E.; Beltrán-Jaunsaras, M. E.; Cea, G.; Spieler, B.; Burton, A.; García-Betances, R. I.; Cabrera-Umpiérrez, M. F.; Brown, D.; Boulton, H.; Arredondo Waldmeyer, M. T. „Evaluation of the Create@School Game-Based Learning–Teaching Approach.“ Sensors 2019, 19(15), 3251.doi:10.3390/s19153251. Open Access unter CC BY 4.0, freier Volltext beiEurope PMC PMC6695907.