Werkzeugtest
Godot: kein Werkzeug für Anfänger
Alle anderen Einträge in diesem Vergleich sind blockbasiert und für Einsteiger gebaut. Godot ist eine professionelle Spiele-Engine, die zufällig kostenlos ist. Die nützliche Bewertung lautet deshalb nicht, dass sie mächtig sei, sondern klar zu sagen, wer sie besser nicht einsetzt.

Was Godot ist und wem es gehört
Godot ist eine universelle 2D- und 3D-Spiele-Engine, kein Kinderprodukt mit angehängter Schulausgabe. Nichts daran wurde für Einsteiger abgemildert, und das entscheidet über fast alles, was danach kommt.
Die Lizenz lohnt eine genaue Formulierung, weil sie eine echte Stärke ist und meist nur ungefähr beschrieben wird. Godot steht unter der MIT-Lizenz (auch Expat-Lizenz genannt), und die Lizenzdatei der Engine führt zwei Copyright-Zeilen: die Mitwirkenden von 2014 bis heute sowie Juan Linietsky und Ariel Manzur für 2007 bis 2014. Die Godot Foundation, eingetragen als Stichting Godot, eine niederländische Non-Profit-Organisation mit Sitz in Uitgeest, verwaltet die Spenden an das Projekt, stellt aber ausdrücklich klar, dass sie rechtlich unabhängig ist und das Projekt nicht besitzt. Es gibt hier also nichts zu verlängern und kein Unternehmen, das Ihnen die bereits auf dem Schulrechner liegende Kopie wieder entziehen könnte.
- Altersbereich Vom Projekt nicht angegeben; unsere Einschätzung: ab etwa 14
- Kosten Kostenlos, keine Lizenzgebühren, kein Abo, kein Konto
- Lizenz MIT (Expat), Urheberrecht bei den Mitwirkenden
- Offline Vollständig; Netzfunktionen sind zunächst abgeschaltet
- Kinderdaten Kein Schülerkonto vorgesehen; laut Datenschutzerklärung keine Telemetrie
- Sprachen 39 Editor-Übersetzungen im Quelltext 4.7.1, Deutsch darunter
Worauf es läuft, und wohin es exportiert
Diese beiden Dinge werden ständig verwechselt, dabei entscheidet nur das erste darüber, ob Godot überhaupt auf Ihre Rechner kommt. Der Editor selbst, also das Programm, vor dem ein Kind sitzt, läuft unter Windows, macOS und Linux. Es gibt eine Android-Fassung, die die Dokumentation als experimentell bezeichnet, und einen Web-Editor im Browser, von dem das Projekt selbst sagt, er sei nicht für den produktiven Einsatz gedacht. Exportieren lässt sich weiter: auf dieselben Desktop-Systeme sowie auf Android, iOS und in den Browser.
Als Mindestausstattung für den Desktop-Editor nennt die Dokumentation 4 GB RAM (empfohlen 8 GB) und entweder volle Vulkan-1.0-Unterstützung für die Renderer Forward+ und Mobile oder volles OpenGL 3.3 für den Compatibility-Renderer, dazu Windows 10 oder neuer beziehungsweise eine Linux-Distribution ab 2018. Aktuell stabil ist Version 4.7.1 vom 14. Juli 2026.
Zu den Sprachen: Der Quelltext von 4.7.1 enthält Editor-Übersetzungen für 39 Sprachen, Deutsch darunter, wobei der Übersetzungsgrad je Sprache schwankt. Die Dokumentation ist auf Englisch verfasst und wird von Freiwilligen übersetzt; die deutsche Fassung weist oben selbst darauf hin, dass ganze Seiten noch englisch sein können. Die mitgelieferte Klassenreferenz liegt in elf Sprachen vor, Deutsch ist nicht dabei. Praktisch heißt das: deutsche Menüs, englische Hilfe im Programm.
Konto, Anmeldung und was den Rechner verlässt
Hier unterscheidet sich Godot deutlich von den Browser-Werkzeugen, mit denen es verglichen wird. Für den Download ist kein Konto nötig und für die Nutzung auch nicht. Niemand meldet sich an, es entsteht kein Schülerdatensatz, und die Arbeit liegt in einem Ordner auf dem Gerät statt auf einem fremden Server.
Die Datenschutzerklärung des Projekts sagt, dass der Editor weder Telemetrie noch Analysedaten erhebt. Das Einzige, was er sendet, ist eine Anfrage an die Asset Library, die die Godot-Version, die Suchanfrage, die ausgewählten Assets und die IP-Adresse enthält und zum Schutz vor Missbrauch vorgehalten wird. Zusätzlich gibt es eine dokumentierte Einstellung für den Netzwerkmodus, deren Wert Offline verhindert, dass der Editor HTTP-Anfragen an die Godot-Website oder an fremde Asset-Server stellt; im Quelltext von 4.7.1 steht diese Einstellung anfangs auf Offline. Die Dokumentation merkt allerdings an, dass Plugins und Tool-Skripte sie nur respektieren sollen, erzwingen kann Godot das nicht.
Wie es mit dem Skripting wirklich aussieht
Eine blockbasierte Variante gibt es nicht. Die Hauptsprache ist GDScript, in der Dokumentation beschrieben als hochsprachlich, objektorientiert, imperativ und graduell typisiert, mit einer einrückungsbasierten Syntax ähnlich Python, aber unabhängig davon. C# kommt über eine separate .NET-Fassung des Editors, die .NET 8 oder neuer voraussetzt, C und C++ über GDExtension.
Visual Scripting gab es in der 3.x-Reihe, in Godot 4 wurde es entfernt. Die Ankündigung des Projekts nennt als Grund unter anderem, dass nur etwa 0,5 % der Nutzerinnen und Nutzer es zu ihrer Hauptsprache gemacht hatten. In der Modulliste von 4.7.1 findet sich kein Visual-Scripting-Modul mehr. Was es weiterhin gibt, ist der Visual Shader Editor, ein Knotengraph für Materialien: Auf Screenshots sieht das aus wie Blockprogrammierung, ist aber keine. Node, Szene und Signal erklärt das Glossar.
Warum das für die meisten Stunden das falsche Werkzeug ist
Für eine leistungsheterogene Klasse mit 25 Kindern in einer 45-Minuten-Stunde ist Godot mit hoher Wahrscheinlichkeit die falsche Wahl, und die Gründe dafür sind konkret.
Zeit bis zum ersten sichtbaren Ergebnis. Das erste Skript-Tutorial des Projekts führt Anfänger durch folgende Schritte: Projekt anlegen, einen Sprite2D-Node hinzufügen, ihm eine Textur zuweisen, ihn positionieren, ein Skript anhängen, eine Funktion schreiben, die pro Bild aufgerufen wird und mit einem Delta-Wert rechnet, und dann die Szene starten. Sieben Schritte und eine getippte Funktion, bevor sich ein einziges Symbol dreht. In einer Blockumgebung entspricht dem: zwei Blöcke zusammenschieben.
Wie viel vorher verstanden sein muss. Ein Baum aus Nodes, der eine Szene ergibt, die Arbeitsteilung zwischen Szenen-Dock, FileSystem-Dock und Inspektor, die Vorstellung, dass ein Skript zu einem Node gehört, und eine Sprache, in der eine falsche Einrückung alles anhält. Jedes davon wäre eine gute Unterrichtsstunde. Alles zusammen vor dem ersten Ergebnis ist keine.
Installation auf verwalteten Rechnern. Der Download ist in sich geschlossen, Entpacken und Starten genügt, eine Installation entfällt, und das hilft im Schulnetz enorm. Sie brauchen trotzdem Administratorrechte, eine Grafikausstattung, die die genannte Anforderung auch auf dem ältesten Gerät im Raum erfüllt, und überall denselben Programmstand: mehr dazu unterSchulnetz-Realität.
Unser Beitrag über halbfertige Spieleargumentiert, dass ein leeres Projekt für eine kurze Stunde beinahe der schlechteste denkbare Einstieg ist, weil die ersten zehn Minuten für Fragen draufgehen, die nicht das Lernziel sind. Godot ist in diesem Vergleich die schärfste Illustration dieses Arguments: Ein neues Projekt ist nicht nur leer, es ist leer hinter einer Oberfläche. Ein halbfertiges Projekt auszuteilen nimmt den größten Teil des Problems weg, den Aufwand beim ersten Start aber nicht.
Für wen es das richtige ist
Das Projekt macht keine Altersangabe, und wir würden uns ungern auf eine Zahl festlegen. Unsere Einschätzung: Godot beginnt ab etwa vierzehn mit Begleitung sinnvoll zu werden, selbstständig ein bis zwei Jahre später, denn die Hürde ist das Tippen und die Dateiverwaltung, nicht das Denken.
Drei Fälle also. Das Kind, das der Blockwelt entwachsen ist und wissen will, womit richtige Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten: Godot ist eines dieser Werkzeuge, es kostet nichts, und es steht keine abgespeckte Schulversion dazwischen. Der Oberstufenkurs mit Doppelstunden oder einem Projekt über ein Halbjahr, bei dem der Einrichtungsaufwand nur einmal anfällt und die Frage nach der Obergrenze zählt. Und das Kind zu Hause, das Zeit und Motivation mitbringt. Dazu kommt ein vierter Fall, der nichts mit Ehrgeiz zu tun hat: Wenn Ihre Schule Schülerarbeiten nicht in einen Cloud-Dienst geben darf, sind MIT-Lizenz, vollständiger Offline-Betrieb und ein Programm ganz ohne Konto eine seltene Kombination.
Was aus der Blockwelt mitkommt und was nicht
Das ist die Frage, die Lehrkräfte und Eltern tatsächlich stellen, und die Antwort darauf ist hier unsere fachliche Einschätzung, kein belegter Befund. Uns ist keine Untersuchung dazu bekannt, was speziell aus Blockumgebungen nach Godot mitgeht.
Die Konzepte kommen gut mit: Abfolge, Bedingungen, Schleifen, Variablen, Koordinaten und Sprites sind dieselben Ideen in anderer Kleidung, und die Signale in Godot sind erkennbar das, was ein „wenn dies passiert“-Block getan hat. Was nicht mitkommt, ist eher handwerklicher Natur und wiegt schwerer, als man erwartet. Eine Blockpalette lässt ein Kind den gesuchten Befehl wiedererkennen; eine Textsprache verlangt, ihn zu erinnern und korrekt zu tippen. Aus einer einzigen Arbeitsfläche werden Dateien und ein Baum aus Nodes, und zu wissen, wo etwas liegt, wird selbst zur Fähigkeit. Nach unserer Erfahrung scheitern Kinder an dieser Stelle selten an der Logik, sondern am Tippen und an der Struktur, und genau das sagt Ihnen, was Sie absichern müssen. Die blockbasierten Einträge finden Sie imWerkzeug-Hub: Catrobat undScratch.
Was wir nicht geprüft haben
Alles oben Genannte stammt aus der öffentlichen Dokumentation von Godot, aus Lizenz und Datenschutzerklärung sowie aus dem Quelltext des Projekts, nicht aus einem eigenen Unterrichtsversuch. Wie bei jedem Eintrag in diesem Vergleich haben wir keine formalen Usability-Tests, keine gemessenen Zeitvergleiche und keine Sicherheitsaudits durchgeführt. Wir haben Godot nicht in einem verwalteten Schulnetz installiert, nicht gemessen, wie lange eine echte Klasse bis zum ersten Ergebnis braucht, den Netzwerkverkehr nicht mitgelesen und nicht überprüft, wie vollständig die deutsche Übersetzung tatsächlich ist.
Quellen. Alle im Juli 2026 anhand der Projektunterlagen selbst geprüft: Godot Engine,Lizenz undDatenschutzerklärung; dieGodot Foundation; aus der Dokumentation dieFunktionsübersicht, dieSystemanforderungen und dasTutorial zum ersten Skript; die Ankündigung, dassGodot 4 Visual Scripting einstellt; sowie dasRepository der Engine, aus dem Lizenztext, Modulliste von 4.7.1, Übersetzungsdateien und die Voreinstellung des Netzwerkmodus direkt gelesen wurden.